uhlfings-chroniken

Zweiundzwanzigster Eintrag – Stelen aus Kupfer

Tag 23 nach Ishlarins Befreiung
Eingetragen am 27 Praiosmond 1044
In Okdrâgosch

Was als folgender Tag der Erholung, einem kurzen Luft schnappen und Balsam für den Geist ausgerufen wurde, stellte sich jedoch als eine weitere Heimsuchung des Kaiserdrachen Morchurs heraus, der sich ein weiteres Mal in unsere Köpfe geschlichen hatte. Wir vernahmen seine Stimme so klar und schneidend wie eh und je, und seine Worte verhöhnten Xenos, von dem er behauptete ihn ebenso leicht in die Irre geführt zu haben wie es ihm mit uns gelungen war.

Doch ein weiteres Mal verlangte er, den Pakt des Wissens mit ihm zu besiegeln um seinen Karfunkelstein neben den von Rhazzazor betten zu lassen. Und wir stellten Fragen. Wir fragten nach dem Verbleib von Brandan, nach dem Tal der Elemente und was mit Drachenseelen geschah, würde man sie zerschmettern.\
Wir erhielten Antworten. Brandan existierte als Wesensart im Tal der Elemente, welche sich als eine mächtige Globule voller Gefahren bestätigte. Und was die Seele der Drax anging, deren Stein zerstört wurde, so spielte Morchur den Erhabenen. Erzählte uns von Orten zwischen den Sphären und einer Mühle der Vernichtung, die Rhazzazors Kraft in die Welt der Dämonen schleudern würde, was noch viel schrecklichere Ereignisse auslösen könnte.
So fragten wir und erhielten Antwort. Wir alle bis auf Andarion, der seine Lippen verschlossen hielt und versuche, sich vor Morchur zu verschließen. So nahm der Zauberer an, dass Morchur lügen würde und nicht stets und zu aller Zeit in unseren Köpfen hauste.
Eine schwerwiegende Tat, wie sich bald herausstellen würde. Doch darauf werde ich im folgenden Kapitel noch einmal Bezug nehmen.

Zunächst einmal blieb der fahle Beigeschmack einer weiteren Unterredung mit dem Kaiserdrachen, und jeder ging auf seine Weise mit dem Erlebten um. Während Andarion seine Zeit in Bädern und scheinbar leichten Gesprächen mit Gandrixa verbrachte, suchten Agran, Banuq und ich ein weiteres Mal die Archive des Tempels auf um mehr über das Tal der Elemente zu erfahren. Zum einen, um mit Vorbereitung und Wissen auf die Unternehmung gehen zu können, zum anderen um Morchurs Worte zu überprüfen. Es schmerzt mich eingestehen zu müssen, dass der Kaiserdrache zumindest in diesem Punkt die Wahrheit gesprochen hatte. Und noch mehr erfuhren wir:
Das Tal der Elemente war in der Tat eine Globule, deren Zugang eine Höhle am Fuß des Berges Goldspitze bildete. Diesen Ort entdeckten die ersten Geoden des Volkes Angroschs vor unzähligen Jahren. Und hier nahmen sie den Kontakt zu den Meistern der Elemente auf. Doch nicht nur sie fanden den Zugang. Ein Kaiserdrache verschaffte sich darauf ebenfalls Einlass, wurde von den Geoden jedoch überwältigt und zum Wächter der Globule gemacht.
Eschin von Quell versteckte in den Schreckensjahren Borbarads I. hier ein mächtiges Hilfsmittel gegen den bösen Magier, über das wir allerdings nichts weiter finden konnten. Was wir allerdings fanden waren historischen Schriften, die davon erzählten dass vor 400 Jahren an dem Ort im Finsterkamm, wo heute das Kloster Arras de Mott steht, Bobarad I. eine furchtbare Apparatur errichtete, mit dem Zweck das Element Humus zu schänden und in Unhumus zu wandeln. Es folgten die bekannten Erzählungen von Krieg, dem Fall und Wiederaufstieg, bis die Globule ein weiteres Mal erwähnt wurde: Dieses Mal war es Borbarad II., der sie nun leibhaftig betrat und aus einer dort stehenden Blutulme, dem Seelenstamm, seinen Zauberstab erschuf.
Was jedoch seitdem geschah, mit dem dort gebundenen Kaiserdrache, der Ulme und dem Element Humus, darüber liegt der Mantel des Ungewissen.

Am selben Abend noch, kurz nachdem Agran vom Hochgeweiten Athox erfuhr dass dessen Ring ein mächtiges Artefakt der Flamme des Feuers war das seine Haut gegen jede Hitze schützen könne, rief der Hochkönig eine letzte Sitzung im kleinsten Kreise aus. Zugegen waren er selbst, Albrax mit Namen, Arombolosch, der Bergkönig der Amboss-Zwerge, Ingrascha und Xenos.

Beginn der Erzählung

STELEN AUS KUPFER

Entschieden wurde an der Tafel aus Stein, dass der Pakt mit dem Herrn des Erzes erneuert werden müsse um Ishlarin in seiner Form aus Erz und Feuer gewachsen sein zu können. Doch um ihn zu finden und für uns zu gewinnen, gar befreien?, müssten wir das Element Humus von der Perversion befreien und uns Zugang zum Tal verschaffen. Dazu erhielten wir von Xenos einen Achat-Käfer, der uns zur Geisteressenz eines Elfen namens Tainobhal Totenamsel im Reichsforst führen sollte. Dieser hatte sein seelisches Wirken auf dem Sumu-Rund hinterlassen, um das Element Humus zu schützen. Und für uns, so hofften wir, würde es das Werkzeug sein, das Tal zu reinigen.
Wie es die Urmutter wollte, lag Angbar, die Hauptstadt der Hügelzwerge auf unserem Weg dorthin. Und hier residierte Nierwulf, Sohn des Negromon, Hüter der Flamme des Humus! Xenos hoffte, dass wir ihn durch unsere Taten, Wissen und Vorhaben dazu bewegen könnten, uns die Flamme zu borgen. Dafür erhielten wir von Ingrascha eine Laterne aus Eisenholz, in der wir sie sicher transportieren könnten, sollte es uns gelingen Nierwulf zu überreden.

Wie dem auch sei, am nächsten Morgen würden wir aufbrechen, sobald Xenos zwanzig Kristalle mit seiner Macht versehen hätte, die den Achat-Käfer als Nahrung dienten um uns zu führen. Gleichzeitig würden die Zwerge den Stern im Schlund von den Zyklopen einfordern um aus ihm ein Werkzeug wider Ishlarin zu schmieden.

Das Element Humus… Mein Herz schlug mir bis zum Hals, und zum ersten Mal spürte ich eine bittere Verbissenheit, wie sie vielleicht meine Gefährten seit Jahren aus anderen Beweggründen schon in ihren Herzen trugen. Ich begab mich ins Zwiegespräch mit Meister Xenos, der mich noch eindringlich warnte, den Verlockungen des Unhumus nicht zu erliegen, wohnte doch große Macht in dem Widerelement. War dies meine wahre Bestimmung in dem ganzen Unterfangen? Mein Schöpfungselement zu befreien?