uhlfings-chroniken

Zweiunddreißigster Eintrag – Im Leib der Sonnenspitze

Eingetragen am 12. Rondramond 1044
Finsterkammgebirge, in einer Höhle unter der Sonnenspitze

Banuq sollte noch die gesamte Nacht im Klosterschiff verbringen. Irgendwann ging der Rest von uns zu Bett (Andarion) oder noch auf ein paar Bier mit den Klösterbrüdern (Agran). Ich selbst zog die Nacht unter freiem Himmel vor und zog noch etwas durch die Siedlung, wo ich über die Saaterde noch in ein Gespräch mit einem der Bewohner kam. Er zeigte mir die Verunreinigung, den restkranken Humus, gegen den die Kirche an diesem Ort bis heute vorging und tatsächlich: der Humus erholte sich, doch war noch arg geschwächt. Ich entschied, über Nacht an diesem Ort zu bleiben und Trost zu spenden.

Wir blieben bis nach der Morgenandacht und kamen wieder mit Banuq zusammen, der recht nachdenklich wirkte und nun die Halskrause mit etwas mehr… Verständnis zu tragen schien. Nach der Predigt stießen wir zu den ersten Sonnenstrahlen des Götterfürsten auf und zogen gen der im tiefblauen Himmel schimmernden Goldspitze.

Als die Praiosscheibe schon tief stand, erreichten wir ein großes Felsplateau vor einer massiven Felswand, in dem sich eine schmalen Spalte auftat. Gerade groß genug, einen einzelnen Zwerg und Menschen passieren zu lassen.

Dahinter fanden wir eine gewaltige Höhle vor, in der uns tiefste Dunkelheit und gefährlich abschüssige Abschnitte erwarteten. Dass ich Banuq mit einem Sumuwirken zur besseren Sicht im Dunkeln erschreckte, was etwas von meinem Blut erforderte und dass dieser recht schnell mit seinem Speer bei der Hand ist, sei hier nur eine Randnotiz. Niemand wurde verletzt, vor allem weil Agran leiblich und Andarion mit einem Blendzauber zwischen den Angriff ging. Es herrscht keine Zwietracht.

Am Ende der Höhle trafen wir auf einen Gang, an dessen Ende ein großes, steinerndes Portal stand. Seine mächtige Forte war verschlossen, und neben alten Zwergenrunen war es gekrönt mit einem geschliffenen Rubin, der von feinen goldenen Einlegearbeiten gesäumt war. Kampfszenen waren darum zu sehen, zwischen Zwergen und Drachen und unter einem großen Doppelstern erkannte Agran das Abbild der geschliffenen Feste Okdrâgosch. Wir hatten das Tor zum Tal der Elemente gefunden.

Da zwei scheinbar endlose Feuerschalen zu dessen Fuß brannte, entschieden wir uns zur längst überfälligen Rast. Als ich mich hier vom restlichen Blut meiner Ritualwunde reinigte, die Banuq so erschreckt hatte, löste sich ein noch nicht ganz geronnener Tropfen und schwebte zum Rubin, wo er sich als gleich mit ihm vereinigte… Der Schluss lag, nach einem weiteren Test mit Banuqs und Andarions Blut, auf der Hand, dass es Geoden- oder Sumenblut benötigte, das Portal zu öffnen. Wir erlaubten uns noch eine Mütze Schlaf, bevor wir den Plan in die Tat umsetzten.

Uns stand etwas Großes bevor, und nachdem ich meinen Gefährten etwas zum Hintergrund meiner Furcht vor Portalen jeglicher Form erzählt hatte, taten sie alles dafür, uns Mut und Willensstärke zu verschaffen: Andarion hielt eine inspirierende Rede auf die Wichtigkeit und Größe unseres Unterfangens, während Banuq einen wilden Jagdtanz aufführte, der uns alle ansteckte und mit einfallen ließ. Dann öffneten wir das Portal.

Dahinter erwarteten uns eine weitere Reihe an Höhlen. In der ersten stand mittig ein Obelisk, in dem Andarion das Zeichen für Feuer identifizierte ▽. Sobald jemand nähertrat, entflammte der Raum davon ausgehend in blauem Feuer (Seelenfeuer?) und eine furchtbare Hitze schlug uns entgegen. Agran Eisenbart war es, der seine Kleidung und Rüstzeug ablegte, seinen magischen Ring wirken ließ und wie ein Granitblock durch die Flammen schritt. Doch er konnte keinen Mechanismus erkennen und den Stein zu zerstören wagten wir nicht.

Schließlich fanden wir heraus, dass es ein weiteres Mal mein Leib und seine Nähe zu Sumu war, der uns voranbringen sollte. Auf mich reagierte der Ort nicht mit Feuer, und als ich eine Hand auf den Obelisk legte, konnten wir alle passieren.

Agran hatte den Abschnitt dahinter bereits erkundet und so wussten wir, dass hier ein ähnlicher Ort auf uns wartete. Diesmal war ein Viereck □ in den Stein eingelassen. Ein uraltes Schwert, das der Zwerg mit grollendem Unmut als eine Waffe der Heerscharen Pydrachors erkannte, steckte im Boden. Dieser Stein ließ keine Flammen fauchen sondern zog alles aus gezwungenem Erz mit einer unsichtbaren, aber furchtbar großen Macht an. Wieder ließ sich das Wirken mit meiner mahne besänftigen, auch wenn mir wieder das Herz bis zum Hals schlug und mich meine Freunde herzlich drängen mussten.

Kurz hatte ich Hoffnung, diese Art der Prüfung zur Gewohnheit werden zu lassen, doch nun stehen wir vor der dritten Höhle und alles ist anders. Wasser rinnt von den Wänden, sammelt sich auf dem Höhlenboden zu einem flachen Wasserspiegel. Doch in der Mitte steht kein Stein. Dort liegt der Knochenleib eines riesigen Drachens. Nebelschwaden winden sich durch seine Überreste, die selbst eine gezündete Nebelschluckerfackel, wie sie Banuq nannte, nicht verdrängen konnte als sie sie in ihre Mitte warfen.

Ich bat um einen Augenblick Bedenkzeit, in dem ich diese Zeilen schreibe. Andarion hat mich wieder gebeten, diesen Ort zu betreten. Doch ich fürchte mich.