uhlfings-chroniken

Zwanzigster Eintrag – Der Kaiserdrache unter uns

Tage 8-21 nach Ishlarins Befreiung
Eingetragen am 26 Praiosmond 1044
In Okdrâgosch

Bereits am ersten Abend lud uns Hochkönig Albrax zu einer ersten Sitzung im kleinsten Kreise. Im Zusammensein mit dem Bergkönig Arombolosch, Graf Ghambir, seiner Tochter Gandrixa und Ingrascha verkündete Albrax, dass er nach den anderen Königreichen gesandt hatte und ihnen zwei Wochenläufe gab, seinem Ruf zu folgen. Hier erfuhren wir auch vom tiefgehenden Zwist zwischen dem Hochkönig und den Erzzwergen, die besonders in Verbund der Eheren Gilde eine starke Gegenstimme zum Hochkönig einnahmen, waren sie doch davon überzeugt dass dieser mit seinem Handeln nur noch mehr Leid über die Bergkönigreiche brächte.

Doch Albrax hatte zusammen mit Gandrixa einen Plan ausgearbeitet, der uns als vermeintlich unparteiische dritte Partei vorsah: Wir sollten die Erzzwergin Groschka, die Regrentin der Waldwacht auf unsere Seite ziehen. Die Zwergin war unentschlossen, hielt sie zwar zu ihrem Volk, war aber durch ihre Ländereien immer wieder auch Drachenangriffen ausgesetzt. Unsere Verbündeten hofften, mit ihr einen Einfluss auf das Volk der Erzzwerge nehmen zu können.

Einfluss fiel ganz offensichtlich in Andarions Geschick, dem es im selben Wortsinne gelang, dafür wieder in den Besitz des Schlangenstabs zu kommen. Mit seiner Macht, so hoffte er, könne er unsere Erfolgschancen beträchtlich erhöhen. Und der Hochkönig gewährte es ihm zu diesem Zwecke. Damit war der Auftrag klar und nun blieb zu warten, wer in den zwei Wochenläufen dem Ruf des Hochkönigs folgen würde.

In dieser Zeit gingen wir alle unseren Beschäftigungen nach. Andarion vertiefte sich umso mehr in die Studien um den Stab und entwickelte Argumente für ein Handelsabkommen, um einen Zugang zu Groschka finden zu können. Dafür trafen wir uns jeden Abend für lange Stunden, und brachten unsere Rogolan-Lehren zu einem Punkt, dass jeder den Gesprächen in Zwergenzungen zumindest einmal grob folgen könnte.
Banuq sah man in dieser Zeit oft im Tempel beim Hochgeweihten Athox, wo er versuchte die Gunst der Götter auf uns herabzubeschwören und zwar nicht mit Ergebnissen, aber klugen Gedanken und vielen Dingen zum Nachdenken wieder hervorkam.
Agran verbrachte viele Tagesläufe im Archiv des Tempels auf der Suche nach Hinweisen auf die Ur-Esse der Zwerge zum Schmieden seiner Seele, und auch hier war Athox, Sohn des Gandresch, eine große Hilfe. In einer uralten Schrift fanden sie Hinweise auf die Umsiedlung der Zwerge, der Aufteilung der Stämme in die Welt und den Namen Umbrazim. Ein Ort, an dem ein Teil der Uressenreste noch unter strengster Wacht glimmen sollen. Umbrazim, die goldene Stadt und der mahnende Inbegriff der Gier der Zwerge.

Mich selbst faszinierte diese Rückschau auf die Zeitalter so sehr, und als so nützlich und wichtig empfand ich sie, dass ich mich hier an diesem Ort dazu entschied, die Chroniken zu Papier zu bringen. Wenn ich nicht gerade hier im Archiv unser bisheriges Abenteuer zu Papier brachte, besuchte ich die Alchimistin der Feste, die Säurekugeln gegen Drachenangriffe zusammenrührte und ihren kranken Helfer mit Pilzwuchs am Leben hielt.
War es ruhig und niemand zugegen, wanderte ich durch die Pilzkammerwälder oberhalb der Koschbasalt-Verliese. Hier bemerkte ich, dass die Pflanzen gut gedeihten, doch ihre Wurzeln sich nicht tief in die Erde wagten. Sie fürchteten die Kammer. Doch auch Andarion, der Zugang zu diesem Ort hatte, konnte mir nicht von allen Artefakten dort unten berichten. Doch dass es das schreckenhafte Böse war, konnten wir nicht erahnen und sollten es erst später erfahren…

So vergingen Tag um Tag, Woche um Woche und dann kamen sie. Die Völker der Zwerge. Es war ein solcher Strom, dass ich hier nur kurz die wichtigsten benennen kann:

Albrax, Sohn des Agam (Hochkönig der Zwerge)
Ghambir, Sohn des Gruin (Graf von Calbrozim)
Gandrixa, Tochter des Ghambir (Tochter von Graf Ghambir und spricht für ihn)
Arombolosch, Sohn des Agam (Albrax Bruder und Bergkönig der Ambosszwerge)
Ingrascha, Tochter der Irin (oberste Angroschgeweihte der Brilliantzwerge, vertritt ihren Bergkönig Cendrasch, Sohn des Odar)
Fargol, Sohn des Fanderam (Bergkönig von Isnatosch, Erzzwerg und erster der Erzzwerge der Albrax als Hochkönig anerkennt)
Growin von Ferdok (Graf von Ferdok, Freund von Albrax)
Ingramm vom Schlund (Graf von Schlund)
Groschka, Tochter der Bulgi (Gräfin von Waldwacht)
Gramosch, Sohn des Gorro (Hochgeweihter des Angroschtempels von Xorlosch und Mitglied der Ehernen Gilde, vertritt die Erzzwerge nachdem Bergkönig Tschubax, Sohn des Tuegal (Berggkönig von Xorlosch)
Garfar, Sohn des Gurobead (Berggkönig von Angoramtosch bzw. Bergkönig von Phecanowald)
Gilemon, Sohn des Gillim (Bergkönigreich Koschim)
Nirwulf, Sohn des Negromon (Oberste Richter der Hügelzwerge)
Xenos von den Flammen

Der Geist des Drax holte uns unvermittelt bei der Begrüßung des Rats, inmitten von Okdrâgosch: Plötzlich waren wir Himmelssteine allein in den weiten Hallen. Alleine mit Kaiserdrache Morchur in unseren Köpfen. Er lockte uns mit Wissen, wie man Brandans Pakt bricht. Er drohte uns mit der Erkenntnis, dass es nicht nur Ishlarin war, den wir zum Feind hatten, sondern nannte uns den Namen seiner Schwester: Thelandir. Und er nannte uns sein Begehr im Tausch zu seiner Hilfe: Sein Karfunkelstein sollte in die Kammern gebracht werden. Ruhend neben den Karfunkelstein von Rhazzazor, dem Leichendrachen, dessen Od dort unten ruht und das Böse atmet, vor dem sich selbst die Gewächse Sumu fürchteten…

Er gab uns Zeit bis morgen und auch wenn uns die wahre Welt danach wieder umfing mit all ihren Zwergen und den schweren Mauern Okdrâgosch herum, wussten wir dass Morchur unter uns war.