Vierundzwanzigster Eintrag – Die Chimäre von Angbarer See
Tag 31 nach Ishlarins Befreiung
Eingetragen am 01 Rondramond 1044
In Angbar
Bis zum Erstarken der Mittagssonne und dem Treffen mit Nirwulf, Sohn des Negromon, blieb noch Zeit. Wir besuchten den Hafen, wo wir Geschichten von einem achtarmigen Schrecken im Wasser des Sees überhörten. Ein Bogner wurde aufgesucht, bei dem sich Banuq mit neuen Pfeilen eindeckte, die über den Zweck der Jagd hinausgingen. Als letztes war der Angrosch-Tempel der Stadt an der Reihe, wo die Gefolgschaft Sephira Eisenlied kennenlernte, eine menschliche Ingerimm-Geweihte, die noch einiges über die Simiarflamme als Elfengeschenk an die Brilliantzwerge zu berichten wusste. Und dass Nierwulf der ehrbare Verwalter der Humus-Flamme war.
Auch mich ereilten unerwartete Bekanntschaften, wurde meine Ruhe im Obstgarten, wo ich während des Tempelbesuch wartete, jäh von einer Adeptin des Konzils der Elemente zu Drakonia gestört. Der Schatten, der auf mich fiel, gehörte einer jungen, quirligen Frau namens Juki, die alles über mich, die Himmelssteine und die Elemente erfahren wollte. Und ehe ich mich versah hatte ich sie zum Abend hin zu unserem gemeinsam geplanten Essen eingeladen…
Über Banuqs Besuch im Phextemel sei an dieser Stelle noch wenig festgehalten, ist seine Suche nach den Anerkennung der 12 Götterkinder noch etwas, was ich erst ausgiebig beobachten möchte. Ich hatte jedoch den Eindruck, als sei ein schelmischer Ausdruck unter seinem kurzen Bart erkennbar gewesen zu sein. Selbst dann noch, als er auf offener Straße vom Zwerg Ferulax, Sohn der Thelandar, belästigt wurde, der mit äußerst geschickten Fingern an seinen Kristallpfeilen interessiert war… Banuq wimmelte ihn brüsk ab, doch wir vermuten ihn nicht das letzte Mal gesehen zu haben.
Agran und Andarion besuchten als dann wie geplant Nirwulf und ihrem späteren Bericht war zu entnehmen, dass er das Wohl der Hügelzwerge und der Stadt Angbar über alles stellte. Er war gewillt, die Flamme für die heilige Queste herzugeben, wollte jedoch einen Gegenpfand in Form einer Prüfung dafür, die uns zum einen würdig erweisen sollte als auch ihm, seinem Volk und seiner Stadt helfen würde:
Der achtarmige Schrecken, von mir bereits Eingang erwähnt, sollte sein Ende finden. Sollten wir es erlegen, wäre der erste Teil als getan vermerkt.
Zum Zweiten gedachte Nierwulf, dem Fürst der Region, Amshold vom Eberstamm, Rechenschaft zur Abgabe der Flamme zu zeugen. Gleichzeitig wolle er ihn davon überzeugen, seine Regentschaft in die Stadt Angbar zu verlegen, wo gerade die Feste Talessia gebaut wurde. Dieser Fürst besitzt einen furchtbaren Schaukäfig von gefangenen Tierwesen, und da in den Wäldern um Angbar erst kürzlich ein Tentakelfuchs gesichtet worden war (eine Jägerin namens Finarbil Bosbach berichtete Nierwulf höchstpersönlich), sollten wir das Wesen fangen und übergeben.\
Mich beschlich hier das seltsame Gefühl, dass es kein Zufall sein konnte, gleich zwei Wesen mit Greifarmen um Angbar vorzufinden…
Bevor wir uns auf die Suche nach der sogenannten Chimäre im Angbarer See machten, suchte Andarion von Neersand seinen hiesigen „Kollegen“ in Angbar auf, den Zauberer Kuniswart von Reifwasser, der in einem Turm vor der Stadt hauste und sich auf diese Art der Wesen verstand. Er erfuhr hier von der Zusammensetzung dieses armen Geschöpfs, eine schreckliche Mischung aus Wühlschrat, Krakenmolch und Zwerg… Es hatte unstillbaren Hunger, Furcht vor der Sonne und eine blinde Raublust. All das sollte sich in den nächsten Stunden als Wahr herausstellen.
Juki, die wir wie angekündigt abends wiedertrafen, entschloss sich aus Neugier getrieben mitzukommen und Andarion nahm sie aus Interesse und einem unverkennbaren Respekt ihres Titels gegenüber in das Vorhaben auf. \ Wir fanden die Spuren der Chimäre noch am selben Abend am Angbarer See, wo Banuq ihren Unterschlupf ausmachte. Und hier bezwangen wir sie nach einem kurzen, aber heftigen Handstreit, der niemanden außer ihr selbst das Leben kostete.
Nun galt es, mit einem Beweis zurück zu kehren und am nächsten Tag den Fuchs aufzuspüren und lebendig einzufangen. Ein gewisser Widerstand und Abscheu rührt sich gegen den Fürsten in mir. Widernatürliche Geschöpfe als Krankheit vom Sumu-Rund zu tilgen war das eine, aber Lebewesen zum eigenen Vergnügen in Käfige zu sperren? Ich würde in der Nacht darüber nachdenken müssen.