Siebenundzwanzigster Eintrag – Insektengrube
Tag 37 nach Ishlarins Befreiung
Eingetragen am 7. Rondramond 1044
Im Reichsforst
Die hiesigen Wälder sind voll Wunder Sumu. So trafen wir auf unserer Suche nach Totenamsel auch drei Biestinger in Mardergestalt, die ebenfalls auf Durchreise waren. Und auch wenn Banuq es nicht verstand, sich auf die spielerischen Handel mit den Feendienern einzulassen, so warnten sie uns zum Abschied dennoch vor den Vielaugigen. Eine dunkle Vorahnung, die wir dennoch ignorierten und es beinah mit dem Leben bezahlen sollten.
Denn als wir einen Tag später ein weiteres Lager zur Nachruhe unter den Schatten mächtiger Hinkelsteine errichteten und ein Reh verspeisten, das uns Banuq im Unterholz geschossen hatte während ich auf Kräutersuche gewesen war, stellten wir keine Wacht auf und wären so beinahe von einer Welle von widerderischen Insekten verschlungen worden.
Andarion und ich selbst verschliefen den Grauen, doch Banuq und Agran wurden von dem Rauschen unzähliger scharfer Beine und Beißwerkzeuge geweckt, als die Flut über die Planen unseres Unterschlupfs hinwegrauschten. Doch selbst die beiden mutigen Krieger erzählten am nächsten Morgen, dass sie sich nicht zu rühren getraut hatten und als ich die nähere Umgebung im Licht des neuen Tages absuchte, fand ich unzählige kleine Schnitte und Kerben in den Bäumen um uns herum. Und ein totes Rehkitz. Kein Hunger hatte es geschlagen, kein Tier oder Insekt daran gefressen. Es war reine, blinde Mordlust in seinem geschundenen Leib zu entdecken… Ich flehte die Urmutter um Gnade um jedes Leben in diesem uralten Garten an und als wir den Leichnam verbrannt hatten, zogen wir weiter.
So fanden wir schließlich zwei Tage später, am 7. Rondramond 1044 nach Bosparans Fall, mit Hilfe des Achat-Käfers von Xenos den Zugang in die Insektengrube. Kein Tor erwartete uns, nicht einmal ein Loch im Boden wie es die Erdhummeln oder Würmer es tun. Es war ein Erdhaufen und dahinter lagen die Wabentunnel in die dunkle Tiefe. Sie wurden hinter einem elfischem Spiegelzauber verborgen, wie uns Andarion erklärte und da uns der Käfer direkt hierher geführt hatte, dürfen wir hoffen dass Totenamsel diesen Zauber einst gewirkt hatte.
Hier fanden wir Grubenwerkzeug der Zwerge aus lang vergangenen Zeitaltern, doch keine Hand hatte die Gänge angelegt. Vielmehr erinnerte die Struktur an Waben der Bienenvölker, wofür auch das verhärtete Wachs und wieder die vielen Spuren unzähliger Insektenbeine sprach. Doch ob dies der Ursprung der nächtlichen Schrecken war, die uns beinahe das Leben gekostet hätten, ließ sich nicht ausmachen.
Dafür fand Banuq in einem Loch in einem Seitengang, wo ich gerade immer noch zitternd im Licht einer knisternden Fackel diese Zeilen schreibe, einen Speer aus Bronze.
Der Jägersmann ließ sich nicht davon abbringen, sich mit einem Seil von Agran in die Tiefe hinab zu diesem Objekt zu lassen. Und hier lauerten groteske Abbild zweiter Insektenungetüme in den Schatten auf ihn. Erst im allerletzten Moment konnte er den Speer unter Schutt und Geröll befreien und einem der Monster die neu gewonnene Klinge ins Maul rammen, ehe wir ihn unter größter Anstrengung wieder nach oben zogen.
Ich muss mich beeilen, wir wollen keinen Augenblick länger neben dem Abgrund verweilen. Eines der Wesen ist immer noch dort unten und unser Ziel liegt abseits, weiter den Hauptgang hinab. Ich hoffe nur, der Speer war sein Risiko wert…