uhlfings-chroniken

Sechsundzwanzigster Eintrag – Das Mahl

Tag 34 nach Ishlarins Befreiung
Eingetragen am 04 Rondramond 1044
Im Reichsforst

Was wir am 3. Rondramond 1044 in der stattlichen Wohnhöhle von Nirwulf erlebten, war bar jedes Maßes und Vernunft. Ich habe noch nie so viele Speisen und Getränke auf einer Tafel gesehen, geschweige denn gekostet. Und immer, wenn ein Teller und ein Krug gerade geleert war, folgte der nächste. Ich versuchte mich alsdann mit einer Handvoll Nüsse und festgehalten an einer Karaffe mit Quellwasser im Hintergrund zu halten und danke Agran und Banuq für ihren schier unstillbaren Appetit und Beistand in dieser Sache.
Zu diesen Stunden, die schier endlos schienen, führte Andarion ein leichtes Gespräch mit unserem unersättlichen Gastgeber und ein weiteres Mal fiel mir auf, wie geschickt der Graumagier mit unscheinbaren und freundlichen Worten große Schwere und Bedeutsamkeit transportieren konnte. Und auch ich musste ab und an Nirwulf die ein oder andere Frage stellen, verstand ich doch nicht so recht warum ein Hügelzwerg, der seine Bestimmung in Schlemmereien und Verwaltung von dorischen Dingen fand, Hüter der Humus-Flamme geworden war.

Doch am Ende des Mahls hielt der Zwerg sein Wort und er überreichte uns die grüne Flamme des Humus, die ich für die weitere Zeit tragen darf. Und welch ein erfüllendes Gefühl dieses Artefakt auf uns ausstrahlt…

Unser nächstes Ziel, mit mehr als satten Mägen und voll neuen Mutes, sollte der Reichsforst sein, zu dem wir uns schließlich direkt im Anschluss aufmachten. Mein Herz sprang, als wir die Straßen verließen und in das Unterholz eintauchten, in dem die Sonne flickengleich durch ein dichtes Blätterdach fiel, weiches Moos unsere Schritte dämpfte und der Geruch nach Grün und Leben unsere Lungen füllte. Eine Nacht zwischen den Bäumen und Büschen eines Waldes, der nur den Namen Forst trug und wilder war, als der Name den Anschein machte, fütterten wir unter den ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages den Achat-Käfer von Xenos mit einem ersten Stein, und das wundersame Wesen erhob sich sirrend vor uns in die Luft, um uns hoffentlich zum Roten Pfeil, zu Totenamsel zu führen. Oder besser gesagt, zu der Essenz seines Seins, das er auf Dere hinterlassen hatte.