Sechster Eintrag – Berauschende Annehmlichkeiten
Tag 15 - 16
Eingetragen am 20 Tag im Phexmond 1043
Zwergenfeste Calbrozim
Von der Eile, wie ich sie am Ende des letzten Eintrags beschworen hatte, war erstmal nicht viel zu vernehmen. Wir kehrten in das Hotel "Zur Feste" ein und ließen uns die viel zu großen Räumlichkeiten zeigen, die mindestens für die nächste Woche unsere Heimstatt sein sollten. Dabei wurden wir auf eine Art und Weise bewirtet, wie ich sie noch nie erlebt hatte: Es gab Bier und Wein in unerschöpflichen Mengen und gerade Banuqs gesunden Appetit hatten wir es zu verdanken, dass auch die Teller stets voll mit Eintöpfen und Braten waren. Der schiere Überfluss irritierte mich derart, dass ich selbst nicht anders konnte und mehr zulangte als es nötig gewesen wäre. Vielleicht war daran auch der Wein Schuld, von dem ich bei Andarion neben dem Bier kosten durfte und der mein natürlich rein alchemistisches Interesse weckte. Dann verließ uns Andarion kurzzeitig, um sich umzuziehen und Erkundigungen einzuholen. 1
Als wären diese Annehmlichkeiten nicht Grund genug, den nächsten Mondlauf fastend auf einer friedlichen Lichtung zu verbringen und sich auf das zurückzubesinnen, was die Urmutter uns schenkte, verschlug es uns darauf in das sogenannte Dampfbad. Im herrlichen Duft von Tannengrün (und viel zu hoher Luftfeuchtigkeit) lernten wir hier Ferolax, Sohn der Ferascha kennen. Der Brilliantzwerg gehörte den Händlern der Gesandtschaft vom Berg Djer Calaman an und beschwerte sich über den auflodernden Zwist der Sippen in der Stadt, wie wir ihn auch schon vernommen hatten.
Am nächsten Morgen fanden wir uns wieder zusammen und nachdem ich Banuq von den Giften des Alkohols am Vortag befreit hatte, erfuhren wir dass es einen neuen Traum gab, der jedoch nur ihn und Agran ereilt hatte. Diesmal befand man sich auf einer saftigen Wiese, und der Schrecken der Höhlen war nur ein fernes Schaudern. Ein weiteres Zeichen, den Berg zu verlassen?
Wir verließen nach einem guten Frühstück das Hotel, um im Hafen nach Spuren zu suchen. Warum ausgerechnet dort erschloss sich mir nicht, aber bei all ihren Späßen und Ausschweifungen schienen die Himmelssteine zu wissen, was sie tun. Denn als wir mit einem furchtbaren Kasten, der an einem Seil befestigt war, an der Klippe des Berges nach unten schaukelten, erspähte Agran in der Tiefe Arbel, der in einem Kontor verschwand. Wir folgten ihm hinein und trafen hier neben der Schiffsmannschaft auch Ferolax wieder, der hier ebenfalls Handel betrieb. Scheinbar waren Koschbasalt-Platten wirklich ein begehrtes Gut, das man nicht nur dazu verwendete, meiner Meinung nach wertlose glitzernde Steine in lichtlosen Kästen zu verstecken sondern auch ganze Wohnanlagen im steinernen Viertel damit auszustatten.
Hierhin lud uns Arbel auch ein, seine Geschäftsschulden zu begleichen. In einen Ort namens Angroschs Hammer. Eine Trinkhalle. Schon wieder Bier. Heilige Urmutter steh unseren Leibern bei. Diesmal werde ich einen Kräutersud vorziehen.
(Andarion befragte den Verwalter des Hotels nach Armshaus, der tatsächlich einen Kontor im Hafen namens „Armshaus Pfandleihe“ führt und regelmäßig im Hotel zu Gast ist.)↩