Neunter Eintrag – Zur Wurzel des Übels
Tag 17-19
Eingetragen am 23 Tag im Phexmond 1043
Zwergenfeste Calbrozim, Wildnis des Tannwaldes
Ich danke der Kraft des Berges und dem Rauschen der unterirdischen Bäche, Schlimmeres konnte durch ein Wunder verhindert werden! Zwar bezahlten Banuq und ich einen Blutzoll, als Bolzen flogen und drei Krieger entkamen unter Beobachtung von Andarion von Neersands Sichtzauber durch einen geheimen Gang, doch nachdem wir die Wachen an der Tür überwältigt hatten war es Agran Eisenbart, der zu einem wahren Boten Angroschs wurde! Erst schlug er mit roher Kraft die versperrte Eingangstür in Stücke, dann rang er den Widerstand Roschkas, Tocher der Rubinaxa, und ihren Kriegern allein mit Blicken und Worten nieder! Er verschaffte sich Zugang zur Trinkhalle, in der nur er vorgelassen wurde und brachte sie ohne weitere Gewalt zum Geständnis:
Roschka, Tochter der Rubinaxa, Gründerin der Steinernen Bruderschaft, legt die Schuld an einen drohenden weiteren Drachenkrieg allein in die Waagschale der Brilliantzwergen: Nachdem sie ihr Königreich Lorgolosch verlassen hatten, gründeten sie Angralosch mit seiner Hauptstadt Simiador. Und diese befindet sich in Drachenlanden. Gütige Sumu steh uns bei, all diese ausgedachten Grenzlinien und Fantasiereiche auf deinem Derenrund…
Doch nicht nur dessen beschuldigen die Erzzwerge ihre Brüder. Die Brilliantzwerge seien von Gier und der Oberfläche getrieben, die Erzzwerge aus Calbrozim zu vertreiben und ihr Reich und Einfluss zu vergrößern. Roschka und ihr Volk fühlten sich von der Untätigkeit ihres Grafen von Calbrozim im Stich gelassen und sie entschlossen sich, ihn zu stürzen und den Konflikt selbst mit Krieg zu entscheiden. Dazu beauftragte Roschka ihre Mann Rugrim als Auslöser dazu, Gatrox zu erschlagen und es Ferolax und seiner Sippe anzulasten.
Damit nicht genug: Aus den Schriftstücken, die Roschka Agran Eisenbart freiwillig überreichte, ging hervor dass sie zu allem noch die Auftraggeberin des Attentats auf den Hochkönig Albrax, Sohn des Agam, war! Wir lasen in der Korrespondenz zwischen ihr und einem Unbekannten von einer dankbaren Bruderschaft, Lieferungen, platzierten Edelsteinen und der Reise von drei Gesandten Erzzwergen in die Wildnis zu einem Steinkreis als Übergabeort. Eine komplex vertuschte Karte verriet uns dessen ungefähre Lage.
Ein Steinkreis in der Wildnis des Tannenwaldes, nördlich von Calbrozim… Geoden, die durch Zwist und falsche Visionen ihr eigenes Volk entzweien wollen? Mögliche Antworten darauf lieferte uns der Angrosch-Geweihte Thorod mit Stellen aus der Barobarabba:
Die Geschehnisse, die wir erleben müssen, gleichen denen von vor tausenden Jahren. Damals beeinflusste der Geode Abatrox die Träume der Zwerge und trieb sie so an die Oberfläche. Als Berater flüsterte er in den Geist des damaligen Hochkönigs Xagul, Sohn des Xorax. Als seine Machenschaften aufgedeckt wurden, floh Abatrox in das Vergessen der Geschichte und Xagul wählte zerfressen von Schuld und Selbstvorwürfen den Freitod. Seit dieser Zeit begegnen die Zwerge ihren Geoden mit Vorsicht, und nur einem einzelnen von ihnen ist Schlichtung durch seine Taten in der Vergangenheit zu verdanken gewesen: Brandan, Diener Sumu.
Durch seinen Pakt mit dem Elementarherren des Erzes gelang es den Zwergen den Purpurwurm Ishlarin, der einen unerbittlichen Krieg gegen sie führte und Stadt nach Stadt vernichtete, schlussendlich unter einem Berg zu begraben und dort zu binden.
Furcht ergriff mein Herz. Wollen Anhänger von Abatrox den Purpurwurm befreien? Wir müssen den Steinkreis, die vom Wege abgekommenen Geoden und somit auch Antworten finden. Und noch viel wichtiger: Verhindern, was auch immer sie vor haben. Denn sollte sich unser Verdacht bewahrheiten, wäre mehr als nur ein Bürgerkrieg zu beklagen. Am nächsten Morgen würden wir nach getroffenen Reisevorbereitungen aufbrechen.
In der selben Nacht noch wurde Gatrox, Sohn des Ghambir, im Angosch-Tempel beigesetzt. Gharmon, Sohn des Ghambir, durch dessen vom Bier gelöste Zunge und Redseligkeit in den Tavernen es erst zur Mordmöglichkeit an seinem Bruder Gatrox als auch zum Attentatversuch auf den Hochkönig Albrax, Sohn des Agam kommen konnte, wurde von seiner Familie verstoßen und begab sich ins Exil. Er hofft, seine Sühne am Schlund zum Fest der Erneuerung zu finden. Damit möge es seiner Seele besser ergehen als Roschka und Rugrim, die zum Tode verurteilt wurden.
Es sei erwähnt, dass uns in dieser Nacht ein weiterer falscher Traum geschickt wurde: Die Berge sprachen zu uns, wir sollen uns erheben und die Worte an die Oberfläche tragen. Worte, die davon verkünden dass nun alles gut werden würde. Wir müssen diesen Einfluss abschütteln, ich sollte Andarion von Neersand nach Schutzmöglichkeiten vor dem Einfluss fragen.
Am nächsten Morgen wurden wir von Albrax, Sohn des Agam, höchstselbst verabschiedet. Er befahl uns die Schuld zu richten und hieß uns stets an seinem Hofe willkommen, wo uns Lohn und Dank erwarten würde.
Wir zogen unter schwerem Wind und Regen in den Tannenwald. Wie erfreut es mein Herz, wieder zwischen rauschenden Bäumen mit Moos unter den Sohlen und frischer Luft die von Frühling kündet in der Nase meiner Urmutter so nah zu sein! Nach einem Tag der Wanderung fanden wir unter einigen Findlingen Unterschlupf, zudem sich außerdem noch ein Quellgeist gesellte, der Banuq beisetzte. Ein guter Bote, dass die Kräfte im Einklang sind! Hier ereilte uns in der Nacht auch kein falscher Traum und ich hatte das Gefühl, seit langem wieder Ruhe zu finden.
Der Morgen des 23. Phex im Jahr 1043 nach Bosparans Fall (wie mir Andarion von Neersand die Zeitrechnung bei unseren Lehrstunden der Schrift und Rogolan-Sprache einmal erklären sollte) gab sich ebenfalls regnerisch und mit dank von Banuqs entfachten Feuers vorerst trockener Kleidung unter den Mänteln zogen wir weiter bis zu den Ausläufern der Ingrakuppen. Und kaum schälten sich ihre schroffen Kronen aus der schwarzen Wolkendecke, schlug ein Blitz in ihren Fels und ein Steinschlag ging nieder…