uhlfings-chroniken

Fünfzehnter Eintrag – Romdroloschs Eingeweide

Tage 28-29
Eingetragen am 3 Tag im Perainemond 1043
Ingrakuppen, Romdrolosch

(Niedergeschrieben auf diesen Seiten sind die Erlebnisse unserer Hatz durch die finstere Bergfeste Romdrolosch. Sollten diese Zeilen nicht zu einem Abschluss gebracht werden können, sei Grumosch gedacht, der gegen sich gegen den bestialischen Höhlendrachen stellte, um unser Vorankommen zu sichern und dessen Verbleib ungewiss ist.)

Wir entkamen dem Drachenfeuer nur im letzten Augenblick und retteten uns in einen Nebengang. Durch die Scharten eines dort liegenden Wehrgangs konnten wir erahnen, dass uns der Drax an einem Verlassen der Feste hinderte. Doch das Ziel unserer Reise lag ohnehin tiefer im Fels und so begannen wir unseren Marsch durch die scheinbar verlassenen Bauten der Zwergen, während Banuq an jeder Weggabelung, die wir passierten, ein Zeichen hinterließ um uns den hoffentlich anschließenden Rückweg zu erleichtern. Doch anders als in Calbrozim erwarteten uns hier keine baumhohen Hallen, kunstvoll geschlagenen Säulen und Thronsäle. Alles wirkte gedrungen und roh.
Welch schrecklicher Kampf hier getobt haben musste. Beinah jeden Raum und jeden Gang fanden wir verwüstet vor: Barrikaden aus Trümmerteilen, ausgelöste Bodenfallen und Knochen, überall Knochen von Drax, Zwergen und Wesensarten, die Andarion Achaz nannte. Diese echsenähnlichen Gestalten schienen sich dem Krieg der Drachen gegen die Zwerge angeschlossen zu haben und waren hier ebenfalls zu hunderten, wenn nicht zu tausenden umgekommen. Ob auch ihre Seelenfunken zum Himmel aufstiegen um einen neuen Platz im ewigen Kreislauf zu finden? Und fanden sie überhaupt ihren Weg aus den Höhlen hinaus? Für den Rest unserer Reise verbot ich mir selbst, darüber genauer nachzudenken.

Sumu sei Dank lenkte mich abermals Andarions Neugier von meinen Grübeleien ab: Bei einer unserer Verschnaufpausen weiter im Felseninneren untersuchte er das Herz des Berges mithilfe seiner berechnenden Magie. Es stellte sich als ein ewig wirkendes Wunder heraus, das von verschiedenen Wirkungsströmungen durchdrungen war. So fanden sich darin nicht nur Kräfte der Drax, sondern auch die der Elfen vereint. Doch bewundernswert war sein Zweck nicht, diente es doch rein zur Unterjochung der Elemente. Die silbernen Drachenflügel, die den Stein kunstvoll umschlossen, bestanden laut Agran aus Mondsilber und waren von den Elfen geschmiedet worden. Ein durch und durch wundersames Stück, was wir dort mit uns trugen und was uns hoffentlich helfen würde, Ischlarin den Erz-Aspekt zu entreißen, sollten wir so weit kommen.

Doch das Herz des Berges war nicht das einzige Wunder. Tiefer hinein und viele Weggabelungen und versperrte Sackgassen später stießen wir auf einen verlassenen Angroschtempel, dessen Wandbilder von den 8 Zwergenvölkern und vom ersten Angroschpriester namens Lagorax berichteten. Weiter im Inneren, unter Trümmern und Ruinen, fand Agran die Überreste eines Zwerges mit einem Ring am Finger, der ihn als eben diesen zu erkennen gab. Einer Intuition folgend schlug Agran 8 Mal auf den ambossartigen Altar in der Mitte des Tempels, woraufhin ihn eine Vision ereilte und er mit Lagorax selbst ein Gespräch führte. Er solle der Führung des Steins vertrauen und mit dessen Hilfe und der Hitze von Xostomar, der Esse der Stammväter, seine Seele neu schmieden. Ihre Lage war Agran unbekannt, doch er vertraute auf die Führung seines Gottvaters und beim Verlassen des ehemaligen Tempels schritt der Zwerg mit einem Hauch von Glut in seinen ermatteten Augen voran. Entflammt durch die Worte, dass sich auch die anderen 7 sich ihm beizeiten offenbaren würden.

Ich selbst hatte die Heiligtümer nicht betreten und war in der Zwischenzeit am Portal zurückgeblieben. Die Höhlen und die Drax mit ihren todbringenden Feuern setzten mir schon genug zu und seit einiger Zeit hatte ich das Gefühl, dass sich hinter uns etwas knackend durch die steinerne Dunkelheit herschob, was Grumosch für einen Höhlendrachen hielt. Einen Raum mit einem riesigen Amboss zu betreten, einen Tempel in dem man das Zwingen von Erz in Stahl zelebrierte, war zu viel für mich.
Stattdessen ereilte mich hier, am Eingang des Tempels allein in der Dunkelheit, der lodernde Hass Ischlarins in meinem Kopf. Er versuchte mich mit seinen Lügen zu vergiften und wollte einen Samen der Furcht in meinem Herz pflanzen indem er mit brennender Stimme behauptete, Barlox sei hier an diesem Ort gewesen und würde nun, verjagt mit Angst in seiner Seele, als Bote der Furcht durch die Lande ziehen. Ich glaube ihm nicht.

Und noch mehr Überderisches ereilte uns in den nachtschwarzen Wegen unter dem Berg: So schienen die 12. Kinder Sumu Banuq beizustehen. Durch den Mondenlauf unserer gemeinsamen Reise habe ich bereits erfahren, dass der Jäger aus dem Norden eine ganz eigene Verbindung zu seinen Göttern pflegt um es mit der Vorsicht einer austreibenden Pflanze zu formulieren. Doch hier unten, in den Gängen Romdrolosch, schien etwas zu geschehen: Wieder war sie da, die freundlichen Stimme in seinem Geist, ganz anders als das Fauchen von Ischlarin. Und anders als beim letzten Mal schwebte nun ein kleines Stück Fels direkt vor seiner Nase empor. Er ergriff ihn, ließ ihn rollen und mit den Worten „Phex soll den Anfang machen!“ entschwand die Vision wieder… Banuq hielt es für ein Zeichen seiner Götter und keinen faulen Zauber und auch ich denke, dass Ischlarin kein Verführer war und diese Art nicht zu dem Purpurwurm passte. Hoffen wir auf das Beste.

Nach all diesen großen Erlebnissen muss etwa ein Sonnenlauf vorübergegangen sein, denn allmählich ergriff Müdigkeit und Hunger von unseren Leibern Besitz. Wir rasteten in einer Anlage, die wohl einst die Küchen und Speisesäle Romdroloschs gewesen sein mochten: Auswuchernde und durchaus essbare Pilzkolonien bedeckten einige der Felsspalten und Wände und mit einem alten Topf, den Banuq in einem der Nebenräume fand, briet er uns ein durchaus annehmbares Nachtmahl, auch wenn ich den rohen Geschmack der Brot-Bovist-Pilze vorzog.
Gesättigt und müde errichteten wir gleich hier auch unser Lager, nur dass kurz darauf Agran von Grumosch geweckt wurde. Der Drachenjäger hatte den Höhlendrax ausgemacht, der während unserer Pause nun nah an uns herangekommen war. Er trug Agran auf, uns und Thurin weiter in die Anlagen fortzuschaffen, während er seiner Profession nachging und sich dem Wesen stellte. Er blieb für den Kampf zurück, und wir flohen durch die Dunkelheit, unser eigenen Bestimmung entgegen…

Auf unserer gesamten Reise durch die Feste hatte Andarion an verschiedenen Stellen kleine Edelsteine in verschiedenen Farben gefunden, so auch im folgenden Raum, in dem die knöchernen Überreste des Kommandanten der Stadtwache über der steinernen Karte der Feste lagen. Während Agran den glänzenden Streitkolben ergriff, nahm sich der Zauberer dem Stein an, dessen Zweck und Schicksal sich uns sehr bald offenbaren würde.

Es war ein kleiner Nebenraum, in dessen Wand viele weitere dieser Steine im Licht unserer Fackel glänzten. Ein Art Feld mit leeren Einbuchtungen, so wie die Schalen von Eichelnüssen, die sich abgelöst hatten. Ich halte mich an dieser Stelle kurz, denn mir haben Gedanken- und Geduldspiele schon als junger Bursche nicht gelegen, viel aufregender waren doch die Kreise, die Vögel zogen und welche Laute der Dachs wohl nachts machte. Doch meinen Gefährten gelang es schnell, die gefundenen Steine an der wohl richtigen Stelle einzusetzen und mit einem Mal öffnete sich die Wand. Dahinter fanden wir einen Sockel, auf den in Zwergenrunen die verheißungsvollen Worte „Für die Jahre der Heldenzeit“ gesetzt worden waren. Und auf dem Sockel ruhte der Drachenzahn. Eine Dolchart der Zwerge, wie man sie häufig beim kleinen Volk vorfindet. Doch diese Waffe, versehen mit einem Knauf aus Rubin und von Angroschs Segen berührt, bestand laut Agran aus Titanium. Eine legendäre Waffe, die uns noch einzigartige Dienste leisten sollte…

Doch wie nun weiter? Die Karte auf dem Steintisch verriet uns, dass dies eine Sackgasse war. Weit zurück, bei den Wohnhöhlen die wir durchschritten hatten, gab es noch eine kleinere Eckkreuzung. Sie war der einzige Bereich, der noch umerkundet war. Und von dort aus erklang just in diesem Moment der große Höhepunkt des Kampfes zwischen Grumosch und dem Höhlendrachen…