Fünfter Eintrag – Angroschs Wunder
Tag 15
Eingetragen am 19 Tag im Phexmond 1043
Zwergenfeste Calbrozim
Im ersten Abschnitt dieses Berichts folgt eine versuchte Raffung der politischen Geschehnisse, für deren laienhafte Wiedergabe ich mich an dieser Stelle entschuldigen möchte. Ränkespiele und Intrigen sind für mich so undurchschaubar wie der morgendliche Herbstnebel im Andergaster Tiefland. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Seele eines Zwerges und dem Wunderwirken der Kinder Sumu.
Erster Abschnitt
Wir erfuhren beim Warten mit der äußerst zuvorkommenden Gandrixa noch einiges, von dem ich an dieser Stelle noch in aller Kürze berichten möchte: Sie bezeichnet ihren Vater, den Grafen Ghambir, als zögerlich in seiner Herrschaft. Etwas, das uns auch an späterer Stelle Albrax ebenfalls bestätigte. Gandrixa übernimmt vieles am Hof an Stelle ihres Vaters während Gharmon und Gatrox ihre Bestimmung in der Stadtwache gefunden zu haben scheinen. Eine große Aufgabe, denn auch sie berichtete von Streit zwischen den Zwergensippen, den es zu schlichten gilt. Und das ganze unter der Flamme des Erzes, eine der Sieben, die über dem Thron schwebt.
Das groß angekündigte, folgende Gespräch der Herrscher führten wir jedoch mit Albrax allein, der Graf zog sich mit seiner Tochter zurück und überließ uns dem Hochkönig und seinem Anliegen: Während dieser Calbrozim als neutralen Vermittlungsort zwischen den Streitigkeiten der Königreiche Xorlosch und Isnatosch nutzen würde, trug er uns auf, inoffizielle Nachforschungen zu dem Attentat auf sein Leben und damit verbunden auch dem schwelenden Konflikt der Sippen anzustellen. Zu dieser „Ehre“ verhalf uns die Vertrautheit mit dem Hochkönig, teilten wir uns doch die selben Träume und standen ihm im Kampf in der Opferschlucht bei. Oder besser gesagt, die Himmelssteine. Mein friedliebender Charakter schien den großen Krieger und ehemaligen Anführer der Kor-Knaben zu verstimmen… (Es sei noch kurz vermerkt, dass von seiner Reise nach Calbrozim nur sein Leibwächter Murlox und die Grafenfamilie wusste…)
Zum Zwist der Zwerge bekamen wir zwei Gruppierungen genannt, die wir im Auge behalten sollten: Die Steinerne Bruderschaft der Erzzwerge und die Gesandtschaft vom Berg Djer Calaman, bestehend aus Brillantzwergen von der Oberfläche. Wer sich nur ein wenig mit dem kleinen Volk beschäftigt hat wird hier erkennen, dass die konservativen Erzzwerge, lebend unter dem Berge, nicht viel mit den Brilliantzwergen anfangen können.
Der Hochkönig bot uns an, in den Gästekammern des Grafen Quartier zu beziehen. Wir entschieden uns allerdings dazu, erst einmal das Hotel zur Feste zu besichtigen und eventuell dort unterzukommen. Erstens, um dort Nachforschungen zum Attentat anzustellen (Die Serviette mit den Anweisungen von Prianna Flusswieder stammte von dort), zweitens schien es weniger auffälliger zu sein wenn wir nicht jeden Abend in die Herrschaftskammern einkehren würden. Das verstimmte den alten Haushofmeister Xalbarosch, Sohn des Andorosch, der uns bedrängte eine Entscheidung zu treffen. Er musste ohne eine klare Antwort wieder abziehen.
Zweiter Abschnitt
Auf dem Weg zum Hotel würden wir den Angrosch-Tempel passieren, daher entschied Andarion von Neersand, dem dort praktizierenden Geweihten Torod, Sohn des Tambodosch einen Besuch abzustatten um mehr über den von Agran erträumten Stein zu erfahren. Dieser wartete mit mir vor dem Tempel, da er es nicht wagte mit dem Schatten, der seine Seele verdunkelte, diese heiligen Hallen zu betreten. Doch es sollte ganz anders kommen.
Denn kaum wurde der Stein vorgezeigt, bestand der Geweihte darauf Agran Eisenbart persönlich zu sehen. Und was dann geschah, zeugte von einem Wunder des Sumuskindes Angrosch: Eine Geste des Priesters über Agrans Stirn und der Schatten zauderte, und kaum war Agrans Fuß über die Schwelle zur heiligen Stätte hinweg, erklang Torods Befehl, dass hier kein Platz für das Dunkle sei. Und Agran veränderte sich zu dem, wie er früher einmal gewesen sein musste, frei von den namenlosen Fesseln solange er im Tempel verweilte.
Der Stein stellte sich als ein Bruchstücks eines höchst heiligen Artefakts des Allvaters der Zwerge heraus. Die Priesterschaft deutete dies als Rückrufs Agrans in die Gemeinschaft des Gottes des Schmiedefeuers. Um mehr zu erfahren, würden sie den Stein mit Hilfe der Barobarabba studieren, die großen Chroniken des Zwergenvolkes. Man zeigte uns sogar das Buch, gigantisch groß und eingelassen hinter verborgenem Tempelstein, und so wurde es beschlossen: Der Stein würde hier im Tempel verweilen um seine Geheimnisse preiszugeben solange wir in Calbrozim blieben, und während Agran dafür kämpfen würde seine Seele zurückzuerlangen stellten wir gleichzeitig dabei die Nachforschungen an. Oder vielleicht hängt auch beides zusammen, wer weiß das schon bei den Wirren der Götterkinder.
Bevor man schließlich wieder auseinanderging, schmiedete Agran in den Hallen zum Dank einen Hammerkopf, den er dem Tempel übergab. (Das Zwingen des Leibes der Urmutter in starren Stahl unter Feuer und Gewalt ertrug ich nicht lange, weswegen ich es vorzog während dieser Prozedur auf der Treppe zu warten.)
Beim Verlassen des Tempel kehrte der Schatten zurück und verbiss sich wie ein Raubtier in Agrans Seele, doch der Besuch schien ihm Mut gemacht zu haben und so machten wir uns auf, das Hotel zu besuchen. Auf dem Weg wurden wir schließlich noch mehrfach hautnah Zeuge von Streitigkeiten unter den Zwergen. Es brodelt in der Stadt, und wir sollten uns beeilen.