uhlfings-chroniken

Einundzwanzigster Eintrag – Der Rat von Okdrâgosch

Tag 22 nach Ishlarins Befreiung
Eingetragen am 26 Praiosmond 1044
In Okdrâgosch

Diese Seiten beschäftigen sich mit den Geschehnissen und Ergebnissen des Rates von Okdrâgrosch. Wiederholt entschuldige ich mich für die teils lückenhafte Wiedergabe aller politischer Details, die für mich so unverständlich sind wie Sonnenschein bei Nacht und das Erblühen der Frühlingswiesen unter Herbstlaub. Dennoch habe ich mich bemüht, alles bei besten Gewissen hier festzuhalten.

Der Rat war ein großes Geschrei und Gezänk, bei dem schließlich nur Albrax, der Hochkönig, sein Gegenspieler Garmosch, Sohn des Gorro, Führer der Ehernen Gilde und Xenos von den Flammen deutlich herausstachen. Und der riesige Zyklop, der Letzterem die Geschehnisse vom Einsturz des Berges Schlund überbracht hatte und ansonsten so unbeweglich wie ein Fels in der großen Halle stand.

Albrax begann die große Ansprache, dass die Zwergenvölker geeint stehen sollten gegen die Bedrohung der Drax um die Schätze des Berges vor ihnen zu schützen wie es ihr Gottväterchen Angrosch verfügt hatte. Direkt darauf bat er Xenos von den Flammen seine Stimme zu erheben (was Gramosch und sein Gefolge sichtlich erboste?).
Xenos berichtete vom Schwinden von Brandans Pakt und der Notwendigkeit, ihn zu erneuern. Denn Ishlarin hatte die Macht über Fels und Flamme erlangt und war damit Pydrachors Ziel näher als je zuvor. Es beunruhigte Xenos, dass der Herr des Erzes Murtosch nicht mehr für ihr Wirken auffindbar war und so appellierte der uralte Humusgeode, dass man in das Tal der Elemente reisen müsste um sie wieder zu erreichen. Doch auch den Stern aus dem Schlund zu bergen war in seinen Augen ein sinnvoller Akt.

Dann hielt Garmosch seine Gegenrede, und ich muss gestehen dass viele seiner Worte mein Herz berührten. Er sprach sich dafür aus, dass Rhazzazors Karfunkelstein, der in den Tiefen Okdrâgoschs verborgen lag, nach Xorlosch gebracht werden müsse um ein für alle Mal zerstört zu werden. Dies war, wie wir nun erfuhren, auch einer der Hauptgründe für seinen Ärger gegen den Hochkönig.

Zu diesem Zeitpunkt griffen die Himmelssteine in die Verhandlungen ein und wieder waren es Andarion und Banuq im Wechselspiel, die unerwartet Bewegung hineinbringen sollten. Mit einer ähnlichen Dynamik, mit der wir auch einst Morchurs Interesse auf uns gezogen hatten:\
Andarion von Neersand trat schillernd in Licht gehüllt und klarer Stimme in die Mitte des Rats und rief die Einigkeit der Zwergenvölker an, gebot sie zu Vernunft und dem Zurückstellen der Ränkespiele. Er ermahnte sie, dass es um die Zukunft des gesamten Volkes der Zwerge ging, gegen Ishlarin zu bestehen.\
In die betroffene Stille hinein stellt Banuq vom Ententeich dann beherzt die Frage, die uns allen auf der Zunge lag: Warum der Karfunkelstein nicht zerstört worden ist. Albrax Antwort darauf war die Unsicherheit der Folgen. Würde es Rhazzazor vernichten oder freisetzen? Ein Umgang mit einem solchen Stück war beispiellos. Und Banuq setzte mit der Frage nach, die auf Morchurs Angebot abzielte und die wir eigentlich geheim halten wollten: War es möglich, dass sich zwei Karfunkelsteine miteinander verbanden? Ihre Macht bündelten? Darauf hatten die Zwerge keine Antwort und ihre Verwirrung war greifbar in der Halle des Rats. Doch es genügte, den Stein ins Rollen zu bringen: Xenos, in seiner uralten Weisheit, begriff um die Tragweite dieser Frage und brachte uns dazu, offen zu sprechen. Und Andarion ergriff die Gelegenheit, mit allem Geschick die Karten offen zu legen. Er erzählte von Morchur in unseren Köpfen, dessen Erzählung über Thekladir und seinen Forderungen, die Karfunkelsteine zusammenzubringen.

Der Sturm der Entrüstung der Zwerge war groß. Geschrei und der eine oder andere geworfene Humpen flog durch die Halle und erst Xenos schaffte es, wieder für Ruhe zu sorgen. Vor den Augen aller Ratsmitglieder händigten wir ihm die Artefakte Morchurs aus: Den Armreif, die Klangschale und die Schuppe des goldenen Kaiserdrachens. Der Geode prüfte sie reiflich und übergab sie uns schließlich verkündend an alle zurück, dass sie frei von Einfluss waren.
Von ihm erfuhren wir, dass auch Rhazzazor einst ein Kaiserdrache war und dass die Gesellschaft unter ihnen selten war. Xenos erwägte, den Forderungen Morchurs zu folgen um mehr über den aktuellen Zustand über Brandans Pakt zu erfahren. Doch schlug er vor, die Vereinigung der Karfunkelsteine im Tempel Xorloschs vorzunehmen, wo sie im Notfall sofort vernichtet werden könnten. Auch hier wurde stundenlang gestritten und gerangelt, bis es Zeit für Bier und Brot war.

Ich ergriff die Gelegenheit, bei Xenos vorzusprechen um die Notwendigkeit der Einigung auch unter den Geodenströmungen deutlich zu machen. Er beruhigte mich mit seiner hoffnungsvollen Aussicht, dass sie sehr wohl in der Lage waren, bei größter Bedrohung auch zusammenzuarbeiten, wenn es dem höheren Zweck dienlich war. Und was war wichtiger als das Überleben des Volkes!\
Was mich noch mehr ergriff war die Tatsache, dass Xenos von den Flammen Kunde hatte von Barlox, Sohn des Gerox, meinem alten Freund. Als ich von meinem eigenen Bund mit Geoden sprach, erkundigte er sich nach ihnen und erkannte Barlox aus meinen Berichten wieder! Er war sicher in Simiador, wo man ihn vor den Toren aufgegriffen hatte. Er warnte sie vor Ishlarin und war seitdem in tiefen Schlaf gefallen, aus dem er seitdem nicht mehr erwacht war. Xenox war sich sicher, dass mein Freund mehr gesehen hatte als er vertragen konnte. Und auch wenn ich voll Sorge war um sein Seelenlicht, war ich doch auch erleichtert ihn vorerst in Sicherheit zu wissen.

In der Zwischenzeit verbrachte Agran Eisenbart viel Zeit bei den Abgesandten seines eigenen Volkes, den Ambosszwergen und einige Male hörte man seine Stimme deutlich herausklingen, wie er von Mut und Entschlossenheit sprach und sich bald schon eine kleine Schar um ihn und seine Berichte gesammelt hatte.

Andarion indessen vervollständigte seinen Plan, die Zwerge der Waldwacht auf unsere Seite zu bringen. Geschickt erfuhr er von der Erpressung Garmosch’, die Grafschaft vor der Draxa Shandarion mit militärischen Mitteln zu beschützen. Ihm gelang es, bei Albrax eine schriftliche Zusicherung für die Gräfin Groschka zu erhalten. Und durch ein kurzes Gespräch zwischen uns, der Alchimistin Z. Und dem Hochkönig fand Andarion ein Handelsabkommen zwischen dem Hochkönig und der Waldwacht, die sie unabhängig von der Ehernen Gilde und einem Mann namens Störrebrandt machen sollte.

Denn hier sei kurz eingeschoben, dass die kleine, unscheinbare Pflanze namens Alaune einen großen Mehrwert auch im Kampf gegen die Drax bieten solle. Sie wirkt Wunder gegen Feuer. An Bäumen wuchernd überstehen diese Waldbrände, und ihre Eigenschaft könnte auch gegen Drachenfeuer an Zwergenfesten einen ähnlichen Effekt haben…

Dann wurden große Glocken geschlagen und Hörner geblasen und es ging zum zweiten Teil der Ratssitzung, obwohl die Sonne schon tief stehen musste außerhalb der Mauern. Und hier sollte sich alles zu unseren Gunsten entscheiden. Denn zuerst erhob sich Graf Ingramm vom Schlund und setzte sich zum Hochkönig und es folgten viele Weitere, darunter auch die Gräfin Groschka der Waldwacht. Und mit der Überzahl auf seiner Seite sprach der Hochkönig, dass es ihn schmerzte, nicht gänzlich geeint zu sein, doch dass es entschieden war. Der Pakt mit dem Herr des Erzes solle erneuert werden, Xenos Rat sollte Folge geleistet werden. Und diesem Ruf fügte sich auch Gramosch. Denn die Zwerge waren ein stures, aber ehrbares Volk.

Die Zyklopen jedoch würden sich aus den Geschicken der Welt heraushalten, boten sich jedoch an den Stern für unsere Zwecke herauszugeben, was mehr war als ich von ihrem Volk erwartet hätte, verstanden diese Urwesen doch nichts von den so minder wirkenden Gebräuchen und Geschicken unserer Wesenheit.

Xenos selbst sah im Tal der Elemente unsere größte Chance und damit war das nächste Kapitel unserer Reise aufgeschlagen, hatten wir doch bereits Kontakt zum Herr der Elemente und könnten mit etwas Glück ein weiteres Mal das Zünglein an der Waage sein.

Als der Rat aufgelöst wurde, übergab Andarion von Neersand den Stab zurück in die Kammern unter Okdrâgosch und bat einmal darum, den Karfunkelstein Rhazzazors sehen zu dürfen. Es wurde ihm wohl unter größten Sicherheitsmaßnahmen zu dunkelster Stunde für einen Augenblick gewährt, doch mehr erfuhr ich darüber nicht, denn der Graue Zauberer sprach niemals darüber.