Einunddreißigster Eintrag – Das Kloster Arras De Mott
Eingetragen am 11. Rondramond 1044
Im Kloster Arras De Mott.
Ishlarin, irgendwie den Körper Akumas übernommen, stand uns gegenüber. An seiner Seite die wie immer so unbekümmerte Yuki. Sie schien gar nicht so recht zu verstehen, von welcher Bosheit ihre Begleitung besessen war und verwies nur darauf, dass es sich um eine Drachengeborene handelte. Doch wir hatten keine Zeit für Erklärungen, wir mussten handeln.
Immer noch in Gestalt des Murmeltiers kroch ich heimlich auf Agrans Schultern und nahm die Humusflamme an mich. Doch als ich zurück auf den Boden sprang um im Gebüsch abseits der Wege zu verschwinden, wirbelte Staub und Gestein auf als ein Wind-Djinn, wie Andarion sie später nannte, wie aus dem Nichts erschien und auf mich zuflog um mir das Artefakt zu entreißen. Doch die Urmutter selbst schützte mich auf überderische Weise und von Winden gepeitscht und umhergeworfen gelang es mir doch irgendwie, diesem fliegenden Flaschenteufel, wie Agran ihn seinerseits brüllend beschimpfte, zu entgehen. Ich rettete die Flamme und mich selbst in einer Felsspalte, wie sie nur die Murmeltiere auszumachen und betreten können… Doch was war mit meinen Freunden?
Während der Wind-Djinn hinter ihnen aufbrauste, formte sich vor ihnen, zwischen Yuki und Akuma, ein weiterer Djinn aus fauchendem Feuer. Und dann begann der Kampf. Agran warf sich vor Andarion und wehrte jeden tosenden Angriff, ob aus Feuer oder schneidenden Wind mit Leib und Schild ab und selbst aus meinem Versteck konnte ich hören, wie sich das Silberschild kreischend verzog. Doch der Zwerg hielt stand und rettete dem Magier das Leben, und dieser nutze jede Gelegenheit, Lanzen aus Wasser gegen den Feuer-Djinn und Speere aus Flammen in den Luft-Djinn zu schleudern. Winde aus Feuer und Wolken aus kochendem Wasserdampf fauchten so durch die Klamm. Und aus diesem Dunst sprang Banuq Akuma entgegen, wurde von Yuki mit einem Zauber zurückgeschleudert und von den Flammen des Djinns verbrüht. Doch der Jäger gab nicht auf, setzte ein weiteres Mal an und rammte der Drachengeborenen dieses Mal den Speer mitten durch einen Schild aus reiner Energie tief in den Leib.
Das erkaufte uns wertvolle Augenblicke, denn Akuma begann sich zu verwandeln. Ihre Haut wurde grau und schuppig und ihre Gelenke vollführten ruckartige Bewegungen in Vorbereitung zu einem Zauber, der nichts Gutes versprach.
Während Agran und Andarion weiter gegen die Djinn vorgingen und auch Yuki mit einem Schreckzauber zurückschlugen, worauf diese schreiend durch die Luft wirbelte, hielt Banuq stand und versenkte Fingerbreit um Fingerbreit den Speer in Ishlarins zweiter Hülle, auch wenn ihn die Flammenarme des Djinns umpeitschten und Haar und Haut versengten. Um die Drachengeborene bildeten sich Lanzen aus ihrem eigenen Blut, die sich wie die Stahlen eines Igels aufzustellen drohten…
Ich hatte in der Zwischenzeit die Flamme in einem Winkel meines Verstecks verborgen und versuchte mit dem Zorn Sumu meine Gefährten zu unterstützen, doch weder den Djinn noch Akuma konnte das wütende Wirken der Urmutter erreichen.
Doch Andarion, von Agran beschützt, löschte den Feuerdjinn mit seinen Zaubern und ließ ihn in einer Dampfwolke vergehen. Dann plötzlich, wie auf ein Signal, fegte der Winddjinn herum, ergriff die bewusstlose Yuki und Ishlarin in Akumas Gestalt und fegte sie mit einer unfassbaren Macht aus der Klamm hinfort aus unserem Blickfeld, ehe der dornige Blutzauber vollendete war.
Fassungslos und erschöpft blieben wir zurück…
Banuqs Verbrennungen mussten schnell versorgt werden und gemeinsam taten wir unser Bestes, um ihn soweit zu behandeln damit wir unseren Weg fortsetzen konnten in der Hoffnung, die schützenden Klostermauern zu erreichen. Auf dem Weg dorthin lenkte ich mich so gut es ging ab und verfiel mit Andarion in einen recht philosophischen Diskurs über den Verlauf der Flüsse und Bäche unter dem Sternbildern und ein weiteres Mal stellten wir fest, wie unterschiedlich unser Verständnis vom Wirken der Welt war. Doch der Magier war überraschend interessiert am Wasser unserer Welt und so zog sich das Gespräch lange dahin. Und dann, zum späten Nachmittag hin als die Sonne schon hinter die Kämme der Berge kroch, erreichen wir Arras De Mott.
Aus dunklem Stein lagen die alten Mauern dort, und an sie lehnte sich das scheinbar neuere Gebäude, mit dessen Aufbau die Geweihten und Akolythen beschäftigt waren. Zu seinen Füßen passierten wir ein kleines Dorf, oder besser gesagt eine Ansammlung von Ruinen und kleinen Hütten. Auch hier waren die Menschen damit beschäftigt, Baumaterialien zu sammeln und Reparaturen vorzunehmen.
Hinter all dieser Szenerie erhob sich der Berg, von dem wir später erfuhren sollten dass er Goldspitze genannt wurde und dass sich dort, irgendwo hinter alten verborgenen Wegen, das Tal der Elemente befinden musste.
Doch erst machten wir Bekanntschaft mit Solmine von Eslamsroden, der Tempelvorsteherin von Arras De Mott. Freundlichkeit und das Schreiben aus dem Tempel von Greifenfurt gewährten uns Zugang zu einem vorsichtigen Vertrauen der ruhigen Frau, die uns einlud an der Abendmesse teilzunehmen. Danach würde sie sich in Ruhe mit uns zusammensetzen.
Die Messe war beeindruckend, auch wenn der Saal beinah leer war bis auf ein goldenes Fließ an den schwarzen Mauern, das in kunstvollen Bildern scheinbar die Geschichte von Arras De Mott erzählte. Jedenfalls glaubte ich eine Gestalt mit einem Buch auf einem Berg zu erkennen, während die anderen mit gesenkten Köpfen der Geschichte lauschten.
Nun sitzen wir hier, auf den Bänken vor dem Klosterschiff und versuchen bei Pfeifenrauch unsere Gedanken nach diesem aufreibenden Tag zu sortieren, während Banuq noch in den Hallen bei Solmine Rede und Antwort zu seiner Halskrause steht…