uhlfings-chroniken

Dreiundzwanzigster Eintrag – Reise nach Angbar

Tage 27-31 nach Ishlarins Befreiung
Eingetragen am 01 Rondramond 1044
In Angbar

Unsere Reise von Okdrâgosch nach Angbar sollte 4 Tagesreisen dauern. Während die Gruppe mit einer Kutsche einer großen Steinstraße folgte, begab ich mich voller Sehnsucht in die angrenzenden Wälder und folgte ihnen in Pelz gekleidet, während eine Amsel namens Rirgrid ein stetes Auge auf sie warf.
In der ersten Nacht, wir hatten just eine kleine Ortschaft namens Mardramund erreicht, ereilte mich eine Vision Morchurs. Der Kaiserdrache zürnte uns, seine donnernde Stimme hieß uns Eidbrecher, verwünschte uns im Hammerschlag Xorlosch selbst zu vergehen und bezichtigte uns, uns selbst verdammt zu haben.
Denn er fühlte sich getäuscht. Getäuscht, dass wir Antwort auf unsere Fragen gestellt und doch entschieden hatten, seinen Stein nicht zu Rhazzazor zu gesellen. Er zürnte auch Andarion, der versucht hatte ihn mit einer List zu prüfen, ob er wirklich allzeit Zugang zu unserem Geist und unseren Sinnen hatte.
In der Vision, die er uns schickte, brannte Mardramund unter Morchurs Zorn. Die Scheune brannte, den Himmelssteinen wurde das Fleisch von den Knochen geschmolzen und alles war in das rote Licht der Flammen getaucht. Nur ich stand auf der Weide unter dem Baum, unter dem ich mich am Abend zum Schlaf gebettet hatte und musste alles mit ansehen.
So fand mich Banuq, der mich zurück zu Bewusstsein holte. Eine ganze Nacht musste ich dort, gefangen in der Vision, gestanden haben und pure Angst überkam mich. Ich versuchte zu berichten, doch Stimme und Verstand überschlugen sich und erst ein Fausthieb Agrans brachte mich zur Besinnung.

Diesen Hieb nehme ich dem Ambosszwerg übel, wurden meine Worte doch der Wahrheit gerecht als Andarions Armband und Agrans Flöte, einst Pakt-Geschenke von Morchur, seit diesem Tag nur noch aus rostigem, stumpfen Eisen waren.

Ich kehrte einige Tage nicht mehr zu den Himmelssteinen zurück und wenn die Queste der Humus-Reinigung nicht gewesen wäre, ich wäre mir nicht sicher ob ich geblieben wäre. Am Ende war es jedoch Banuq, der die Gefolgschaft zusammen hielt, denn er folgte meinen Spuren in den Wald hinein und wir unterhielten uns lange über Macht, Verantwortung und Pflicht.

Als die Himmelssteine weiter der Straße folgten, fanden sie sie am nächsten Tag versperrt vor. Kurz vor der Ortschaft Nattersquell war sie aufgebrochen worden und Männer in Kriegszeug schienen nach etwas zu suchen. Während Banuq und Agran versuchten herauszufinden was dort vor sich ging, entschied Andarion einen Teil der Strecke zu Fuß zu gehen und die Kutsche einen Umweg fahren zu lassen, so wie der zwielichtige Wachmann es vorschlug und damit viele Händlersleute, die ebenfalls auf der Straße unterwegs waren, verärgerte. Was sie allerdings wirklich im Schilde führten, sollte nicht herausgefunden werden.\
Am Abend, nachdem sie Nattersquell gefunden und untergekommen waren, verließ bald darauf ein berittener Bote den Ort um, wie ich später erfuhr, Morchurs Armreif und Flöte zum ODL zu bringen, wo sie fachkundlich untersucht werden sollten.

Am dritten Tag der Reise ging es mitten durch die größte Stadt, von der ich je gehört hatte. Gareth! Selbst Rirgrid fiel es schwer, die Kutsche mit den Himmelssteinen im Auge zu behalten, als sie sich durch enge Gassen mit roten Dächern, hohen Türmen und brausenden Massen bewegte. Als sie diesen gigantischen Ameisenhaufen auf der westlichen Seite wieder verließen und sich der Reichsforst zu der rechten Flanke auftat und ein Windgeist durch die Wipfel des Waldes der Gruppe folgte (wobei er Rirgrid ordentlich zerzauste!), machte ich mich auf den Weg wieder zur Gefolgschaft dazuzustoßen. Ich erreichte sie schließlich in Hirschfurt, von wo aus man bereits den Angbarer See liegen sehen konnte. Und Angbar selbst, das dahinter zwischen drei Hügeln vor den Ausläufern des Koschs hockte.

Wie erwartet erreichten wir die Stadt zu Beginn des vierten Reisetages. Und wenn ich je einen gebauten Ort als Schön bezeichnen würde, dann wäre es dieser! Gemütliche, erdnahe Hütten, fast jede mit eigenem Garten, zwischen Naturstein und Obstgärten!
Banuq zog es, von der blühenden Pracht wahrscheinlich getrieben, in die Arme einer offenherzigen Frau, während ich in die Gärten ging. Agran und Andarion aber besuchten den Hauptmann der Stadtwache, Nierdamon und Zwillingsbruder des Nierwulf. Dieser riet ihnen, Nierwulf mit gutem Essen und viel Geduld zu begegnen. Ein guter Ratschlag, wie sich später herausstellen sollte. Doch ein Treffen im besten Gasthaus der Stadt, Bahilurs Bratenstube, sollte erst am nächsten Tag gelingen.

So schön Angbar war, es sollte uns keine feine Nacht gewähren. Denn während wir schliefen, traf unsere Seelen ein böser Schlag, und wir erwachten mitten in der Nacht unter Schmerzen, die fast körperlich waren…

Ich traue mich nach den letzten Visionen es kaum laut auszusprechen, aber ich fürchte Morchurs Wut auf uns bricht sich Bahn bis ins Spürbare…