uhlfings-chroniken

Dreißigster Eintrag – Hinterhalt im Finsterkamm

Eingetragen am 11. Rondramond 1044
Auf einer Passstraße im Finsterkamm Richtung Arras De Mott.

Der Besuch im Praiostempel sollte uns gleich auf mehrere Weise beschäftigen. Während Andarion und Agran mit dem Tempelvorsteher sprachen, kümmerte ich mich um eine Vielzahl Verwundeter, die nach Orkangriffen aus dem Finsterkamm hierher gebracht worden waren. So erfuhren wir über verschiedene Wege von der Geschichte Arras De Mott, dessen gleichnamiger Gründer einst auf den Namen Herbald gehört hatte, ehe dieser an dem Ort, wo nun das Kloster der heiligen Hüter steht, die Tafeln der Offenbarung von Praios selbst erhalten hatte. Das Bauwerk wurde im Laufe seiner Geschichte zweimal zerstört, doch weder der Dritte Orkensturm noch der Angriff Borbarads konnte es endgültig vernichten. Wieder und wieder wurde es aufgebaut und steht noch heute als Heilige Hallen des Fürsten der Götterkinder im Finsterkamm. Ein tröstlicher Gedanken, wenn auch gleich die Orkangriffe wieder zunehmen und sich versprengte Banden der Schwarzpelze nun bis in die Täler wagen, wo sie Höfe und Weiler brandschatzen.

Banuq jedoch suchte in der Zwischenzeit ein weiteres Mal nach Antworten bei den Göttern, und wenn ich es recht verstanden habe ging es hierbei um einen Bußgang, den er im Namen Praios in der Vergangenheit auferlegt bekommen, jedoch nie absolviert hatte. Kurz darauf wurde er vor unseren Augen abgeführt und zum Sitz der Bannstrahler gebracht. Einem Ort, wohin wir nicht folgen konnten und auf die Gnade der Götterkinder Sumu hoffen mussten.
Während Andarion und Agran im Gasthaus "Zum Letzten Taler" unterkamen, Briefe schrieben und in weichen Betten schliefen, zog ich es vor auf den Feldern vor Greifenfurt die Nacht zu verbringen.

Am nächsten Tag kamen wir wieder alle zusammen, so auch Banuq, der nun eine flammengezackte Halskrause trug, die merklich eng saß und recht schmerzhaft aussah. Jedenfalls wirkte der Jägersmann müde und gebeugt, ja regelrecht in sich zusammengesunken. Er sprach nicht über die letzte Nacht, wir erfuhren nur dass sein Bußgang noch nicht beendet sei. Andarion schien wenig mitleidig, sprach Banuq eher noch gut zu dass er froh sein könne, noch am Leben zu sein und eine weitere, vielleicht letzte Chance erhalten zu haben. Die Menschen um uns herum hielten Abstand zu uns und man betrachtete ihn mit einer Mischung aus Mitleid, Abscheu und Angst. Ich hoffe, dass unser Freund alsbald von seiner Bürde befreit wird und ich werde Sumu in meinen Gebeten bitten, auf den Fürst der Götterkinder beschwichtigend einzuwirken.

Nun, da wir den Weg nach Arras De Mott kannten, orderte Andarion ein weiteres Mal eine Kutsche für uns und der holprige Weg begann. Wie sehr ich diese dunklen, wackelnden Kästen verabscheue und wie sehr mir die Pferde leid tun, die sie auf und ab unter der Knute ihres Kutschers umherzerren müssen…
Viel Zeit über das Schicksal der Tiere nachzudenken hatte ich jedoch nicht, denn kurze Zeit später passierten wir die Rauchwolken eines abgebrannten Gehöfts inmitten eines Maisfeldes, das Opfer eines Orkangriffs geworden war. Um diesen Zwischenfall ein wenig abzukürzen sei gesagt, dass Banuq die Schwarzpelze ausfindig machte, die sich zwischen dem Korn versteckt hielten und eine hilflose Frau in einer der Ruinen als Köder missbrauchten. Wir schlugen sie in die Flucht, Agran befreite das Mädchen und wir schickten sie gen Greifenfurt, wobei Andarion ihr eine seiner Münzen zusteckte, die scheinbar alles wieder gutmachen können.

Der Kutscher brachte uns am Ende des Tages zu einem Bauernhof, den er auf dem Weg kannte und hier verbrachten wir eine ruhige Nacht, wobei mich die Sorge, von Morchurs Geist heimgesucht zu werden, wie fast jede Nacht doch nur recht unruhig schlafen ließ.
Wie dem auch sei, am nächsten Tag erreichten wir die Ausläufer des Finsterkamms, wo uns der Kutscher an einer Weggabelung verabschiedete. Von hier aus wären es noch etwa drei Wegstunden bis zum Kloster über einen Pass, der zu schmal für jeden Karren war. Froh, aus dem Holzkasten heraus zu sein, schlüpfte ich in den Pelz eines Murmeltiers und folgte der Gruppe auf Pfaden abseits des Weges, während mir die frische Gebirgsluft um die Nase wehte.

Es sollte sich als ein rettendes Eingreifen Sumu herausstellen, denn auf dem weiteren Weg trafen wir auf zwei Gestalten, von denen uns eine bereits bekannt war: Yuki, die Windmagierin, die mich bereits in Angbar im Garten gestört und sich selbst zum Abendessen eingeladen hatte um uns über unsere Queste auszufragen, wartete in einer Klamm auf uns. Bei ihr war eine Frau, die sich als Akuma, Adeptin des Konzils der Elemente zu Drakonia vorstellte. Abseits des Pfads, zwischen den duftenden Blüten einer Besenheide, stellte sich mir das Fell auf, als sie hinzufügte, eine Drachengeborene zu sein und ohne Umschweife die Humusflamme einforderte, die nun Agran zusammen mit meiner restlichen Ausrüstung trug damit ich umherschweifen konnte.
Ohne zu zögern stieß Andarion seinen Stab auf den Boden, und die Adeptin brach bewusstlos in sich zusammen. Wir wollten schon aufatmen und unseren Weg fortsetzen, Yuki würde sich schon um ihre Begleitung kümmern, als diese sich plötzlich wie an Fäden gespannt wieder aufrichtete. In diesem Augenblick hätte ich mir selbst Morchur gewünscht, doch es war unverkennbar Ishlarins Stimme, die aus Akumas Hals drang: "Dann muss ich es eben tun!"